Pflege der Vergangenheit: 80er

25.03.2022

Pflege der Vergangenheit: 80er

Von der Thematisierung der Pflege in den Gesellschaftswissenschaften bis zu Pflegeskandalen und der fortschreitenden Professionalisierung der Pflege.

Untersuchungen zur Pflege als gesellschaftspolitisches und feministisches Thema

Auch wenn wir bei der Analyse der vorangehenden Jahrzehnte bereits gesehen haben, dass die Pflege immer wieder, teilweise systematisch, abgewertet und in Verbindung damit als „Frauenberuf“ dargestellt wurde, werden diese Analysen in den Gesellschaftswissenschaften in den 80ern erstmals auffälliger.

Man erkennt zunehmend den Versuch, Frauen als Menschen abzuwerten, deren (einfache) Arbeit in der Pflege ihnen „natürlich“ liegt und keine Entlohnung nötig macht. Und andersrum den Versuch, Pflege abzuwerten, indem sie der „Frauen“bereich der Medizin ist. In Analysen fällt auf, dass der akademisch gebildete, wissende Arzt eine Pflegerin zur Seite gestellt bekommt (von der Krankenschwester über Pflegekräfte bis zur Leiterin der Pflegestationen), deren Wissen informell, intuitiv und alles in allem wertloser ist. Sie hat zu gehorchen, er anzuweisen.

In den 80ern wird diese Situation analysiert und benannt – es ändert sich aber nicht viel. Der Begriff der „Professionalisierung der Pflege“ wird häufiger verwendet. Er ist zweischneidig – als wäre die Pflege bis dahin ein Laienunterfangen gewesen. Dabei geht es eher darum, die Pflege von außen als Profession und als professionell wahrnehmbar zu machen.

Pflegeplanung und -Dokumentationspflicht werden gestärkt

Hier kamen viele Bewegungen von innen. Die Bundesregierung verankert in den 80ern zwar die Pflicht zur Pflegeplanung und -Dokumentation, die Bestrebungen dazu kamen aber aus den pflegerischen Berufsverbänden.

Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Qualität der Pflege verbessern, sondern diese Qualität auch wahrnehmbar machen. Pläne und Dokumentationen zeigen, dass Pflege nicht „einfach passiert“ und mehr Gedanken und Überlegungen in die Pflege einfließen, als „weibliche Intuition“ am Krankenbett.

Auch in der Ausbildung wurde dieser Aspekt der Pflege etwas wichtiger. Schülerinnen und Schüler lernten, ihre Pflege zu dokumentieren und zu erklären. Dazu gehörte auch, dass sie die Behandlung der Patienten durch Ärzte und Ärztinnen nachvollziehen sollten, um ihre Pflege nicht nur „abzuspulen“, sondern mit Verständnis in die ganzheitliche Behandlung einzugliedern.

Die 80er enden im Personalmangel

Gegen Ende der 80er begann eine weitere prägende Phase der Pflegegeschichte, die wir uns mit Blick auf die 90er genauer ansehen werden. Pflegeskandale zu Mordserien durch Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen machten gleichzeitig deutlich, dass es zu wenig bis keine Kontrollmechanismen in vielen Bereichen gab.

Die Gründe für diese Situation liegen schon in den 80ern und dem immer größer werdenden Personalproblem und Ressourcenmangel. Einerseits wurden viele Pflegekräfte an den Rand des Burnouts getrieben. Andererseits hatte niemand die Energie, zusätzlich früh und ausführlich die Pflegetätigkeit von anderen zu kontrollieren oder über besondere Häufungen von Todesfällen in bestimmten Schichten ernsthaft nachzudenken.

Die aktuelle Relevanz dieses Themas müssen wir nicht weiter betonen, aber wir werden uns im nächsten Artikel zur Pflege der 90er weiter mit den damaligen Extremfällen beschäftigen.